Daphne und Walter B Kielholz Aurelia und Andreas Homoki Madlen und Thomas von Stockar

v.l.: Daphne Kielholz–Petsalozzi und Walter B Kielholz, Sängerin Aurelia Hajek Homoki und Indendant Andreas Homoki, Madlen und Thomas von Stockar-Scherer–Castell. Bild: Ursula Litmanowitsch

Geprägt von starken Sängerpersönlichkeiten in den Hauptrollen, feierte am vergangenen Sonntag im Opernhaus Zürich die Puccini –Oper «La Bohème» fulminante Premiere. Der Applaus für die eigenwillige Regie von nordischer Schwere, gepaart mit inspirierter Leichtigkeit, gefiel dem Premierenpublikum. Wesentliches trugen die Kostüme von Maria Geber dazu bei. Für das zweite Bild hat die Schwedin eine Liste von Persönlichkeiten erstellt, die den Pariser–Künstlermythos geprägt haben. In der Inszenierung von Ole Anders Tandberg verkörpert jedes einzelne Chormitglied eine Persönlichkeit aus dieser Liste. Und so sieht man neben Karl Lagerfeld und Charles Aznavour auch Coco Chanel oder Meret Oppenheim auf der Bühne. Die Ausstattung mit Prekariatsbude inmitten eines opulenten Pariser Weihnachtstreibens erzeugt eine besondere Spannung der Bildsprache. Für das Bühnenbild ist der Norweger Erlend Birkeland verantwortlich. Einige Sequenzen des Gesamtkunstwerkes zwischen Regie und Ausstattung wirken geradezu wie aus einem Aki–Kaurismäki–Film, dann wiederum suhlt sich das Bühnengeschehen in der Ästhetik des Surrealen.

Mit sirrender und lupenreiner Intonation bestach in einigen Szenen der Kinderchor der Oper Zürich. Überhaupt bot der verstärkte Chor der Oper unter Ernst Raffelsberger einen dynamischen Parforceakt. Für die herausragenden Solisten gabs Szenenapplaus. Vorweg für Tenor Michael Fabiano als Rodolfo, in ganz besonderer Weise aber auch für die einnehmende Sopranistin Guanqun Yu als Mimi. Ihr Rollenverständnis einer starken Mimi gibt die Chinesin, die in Bologna lebt, von einer intensiven Dichte mit emotionalisierender Durchdringlichkeit. Gänsehaut vorprogrammiert. Denn wie die Premierengäste bereits im Foyer vor der Vorstellung verhandelten, ende ein Besuch einer «Bohème» ja selten ohne Tränen.

Die Oper, welche von der Regie Zefirellis (bis 1978 im Spielplan der Mailänder Scala) stark geprägt ist, hat es nicht leicht in einer neuen Inszenierung. Ole Anders Tandberg ist aber ein Quantensprung geglückt. Er verwischt die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit im Drama um Künstlerdasein und Liebesglück auf geradezu geniale Weise. Die Philharmonia Zürich mischt in der doch lauten Aufführung kräftig und präzise mit. Die dominanten Solistenstimmen sind aber jederzeit gut im Orchesterklang integriert. Trotz insgesamt beachtlicher Phonstärke kommen die vielen leisen Zwischentöne nie zu kurz.

Guanqun Yu und Michael Fabiano

Die Protagonisten: Guanqun Yu, Sopran (Mimi) und Michael Fabiano, Tenor (Rodolfo). Bild: Ursula Litmanowitsch

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